Aus der Chronik

Am 22. Januar 1891 wurde im Huber'schen Gasthaus zu Haslach der Beschluss gefasst, eine Zimmerschützengesellschaft zu gründen. Außer den beiden Hauptinitiatoren Michael Buckel, Werkmeister in Seiboldsdorf und Albert Metzger, Lehrer in Haslach, waren an diesem Tage der Gründungsversammlung folgende, am Schützensport interessierte Leute anwesend: S. Pertl, Johann Gfaller, Ludwig Schäfer, H. Metzger, S. Berwind, St. Wagner, Johann Pongratz, Joh. Straßberger, Michael Schwabl, Wally Schwabl, Anna Schwabl, Maria Straßberger.

 

Dies sind die ersten Namen, die in der Chronik erscheinen. Man kam überein, eine Liste herumzureichen und damit Beitrittserklärungen zu sammeln. Sollten innerhalb von 8 Tagen mindestens 10 Unterschriften eingehen, so sah man die Voraussetzungen zur endgültigen Gründung gegeben. Folgende Personen erklärten sich, der neugegründeten Gesellschaft beizutreten: Michael Franzl, Alfred Hösl, Mathias Rächl, Sebastian Rosenegger, Josef Koschade, Georg Urban, Simon Hauser, Mathias Bauer.

 

Am 2l. Oktober des gleichen Jahres hielt man die 1. Generalversammlung ab. 

 

Durch Akklamation wurden gewählt: 

  • Vorstand: Hans Gfaller, Kunstmühler in Haslach;

  • 1. Schützenmeister: J. M. Buckel, Fabrikverwalter in Seiboldsdorf; 

  • Kassier: Albert Metzger, Lehrer in Haslach; 

  • Beisitzer: Mathias Rächl, Bauer in Haslach; Georg Schwaiger, Schmiedemeister in Haslach.

Michael Buckel
Albert Metzger
der erste Vorstand Johann Gfaller

Die ersten 10 Jahre waren gezeichnet von einem regen Schießinteresse, aber als nach dem 10jährigen Jubiläum der Jahresbericht folgte, musste man von einer ersten Krise berichten. Schuld daran war, dass die alten Zimmerstutzen nicht mehr zulässig waren und daher sich viele Schützen nicht mehr an dem Schießen beteiligen wollten. 

 

Erst ab 1905 wurde vom 1. Schützenmeister Sebastian Gfaller wieder ein Mitgliederzuwachs verzeichnet. Im September 1909 fand anlässlich des Bezirkslandwirtschaftsfestes, welches mit einem großen Volksfest verbunden war, ein großes Volksfestschießen statt, das aber der ungünstigen Witterung zufolge, mit einem Defizit abgeschlossen wurde.

 

Während des 1. Weltkrieges erlahmte das Vereinsleben völlig. Am 23. Oktober 1919 ging dann endlich durch Schützenmeister Josef Enhuber eine schriftliche Einladung an die Schützen. Mit 6 Mitgliedern musste wieder ein neuer Anfang gemacht werden. Aber kaum formiert, drohte der Gesellschaft eine neue Gefahr. 

 

Das Gasthaus wurde umgebaut (1920) und die Beherbergung des Vereins war sehr in Frage gestellt. 

Sebastian Gfaller
Michael Bernauer, 1911

Als letzte Lösung bot sich an, vom Gastzimmer ins Nebenzimmer zu schießen. Im Inflationsjahr 1923-24, das dem Verein abermals eine leere Kasse bescherte, berichtet die Chronik von der Teilnahme an den Primizfeierlichkeiten des Mitgliedes H. H. Georg Bachmaier. Nach dem Tode des Schützenwirtes Rödl wurde der Aubräukeller als Schießlokal bestimmt.

 

Im Jahre 1904 betrat dann ein Mann die Haslacher Schützenszene, der fortan zur bestimmenden Figur der Gesellschaft werden sollte: Michael Bernauer. Er war über Generationen Geist und Antriebskraft des Vereins und galt lange als die personifizierte Vereinsgeschichte schlecht hin. Als junger Schütze verbuchte er vor allem in den Jahren 1908 bis 1910 viele bemerkenswerte Erfolge auf in- und ausländischen Preisschießen und Meisterschaften.

KK-Schießstand im Moierholz

Bernauer war es auch, der in den 20er- und 30er-Jahren mit aller Kraft an der Verwirklichung des Kleinkaliberstandes in Haslach arbeitete, der dann schließlich im Mai 1927 fertiggestellt wurde. 

 

Im Sommer 1930 erfolgte der Aufruf zu einem großen KK-Freischießen. Viele Schützen aus allen Gegenden des Chiemgaues kamen an diesen 4 Tagen ins Moierholz, um sich an Treffsicherheit zu messen. Leider verfiel diese Anlage während der Kriegszeit und mit ihr noch vieles andere mehr an alter Schützenherrlichkeit.

In der Nachkriegszeit formierte sich die Gesellschaft wieder. Im Februar 1951 wurde an Michael Bernauer der Wunsch herangetragen, den Schießsport in Haslach wieder aufleben zu lassen. Um damit aber nicht den Anschein zu erwecken, militärische oder politische Ziele zu verfolgen, wurden die Statuten geändert.

 

Man gliederte sich nun dem Bayerischen Sportschützenbund an und übernahm dessen Satzung. Schießlokal war nun wie ehedem wieder das Gasthaus Alpenrose.

 

Nach der einjährigen Amtszeit Bernauers führte nun Hans Gfaller sieben Jahre den Verein. Er wurde schließlich im Jahr 1959 von Ludwig Steiner abgelöst.

 

 

einladung
einladung 2

Der ehemalige Haslacher Hauptlehrer Hans Simper leitete die Geschicke der Gesellschaft ein weiteres Jahr, ebenso wie sein Nachfolger Josef Schwaiger.

 

1957 wurde eine neue Schützenkette angeschafft und der Haslacher Baumeister Josef Cetina konnte sie gleich zweimal hintereinander erringen. Das traditionelle Schützenkranzl erfreute sich wieder allgemeiner Beliebtheit.

 

Aber die spontane Begeisterung flaute in den darauffolgenden Jahren merklich ab, sodass die Schützenmeister Mühe hatten, ihren Mitgliederstand zu halten. Am 20. April 1963 konnte Schützenmeister Hans Simper seinen Vorgänger Michael Bernauer zum Ehrenschützenmeister ernennen. 

 

Hans Gfaller, sen. wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Schützenkönig Michael Bernauer, 1973

Als am 7. Oktober 1965 die Wahl auf Walter Jahn fiel, tat man einen guten Griff. Er verstand es, vor allem die Jugend für diesen Sport zu begeistern. Mit äußerster Sparsamkeit und immensem Fleiß, verstand es Jahn, schwere finanzielle Krisen zu überwinden. Ihn löste für weitere drei Jahre Willi Moser ab.

 

Am 19.11.1974 war man nahe daran, die SG „Edelweiß“ Haslach mit einem Mitgliederstand von 27 Schützen aufzulösen. Man fand aber doch noch einen Schützenmeister, der sich diese Aufgabe zutraute: Albert Rosenegger. Er erwies sich als Glücksgriff für den Verein und führte ihn zu einer neuen Blüte. Während seiner 21jährigen Amtszeit wuchs die Mitgliederzahl von 27 auf 223 Schützen an!

 

In den Beginn seiner Amtszeit fiel das 70jährige Schützenjubiläum von Michael Bernauer.

 

Mit einem Vereineschießen, einem Festabend in einem kleinen Bierzelt an der Kampenwandstrasse und einem Gottesdienst in der Pfarrkirche feierte man zu Pfingsten 1977 das 85jährige Bestehen der Gesellschaft. Die Musikkapelle Layen/Südtirol war der große Anziehungspunkt dieser sehr bescheidenen, aber schönen Festtage unter der Schirmherrschaft des damaligen 1. Bürgermeisters Sebastian Rosenegger.

 

Beim Eingemeindungsschießen 1978 nahmen sämtliche Gemeinderäte, sowie auch alle früheren Gemeindebediensteten teil.

Das Streben der Schützenmitglieder nach einem eigenen Vereinsheim konkretisierte sich im Jahr 1979. Die Mitglieder Helga und Franz Ober stellten die Heuremise des alten Schmiedanwesens für den Ausbau eines Schützenheimes zur Verfügung. Ihnen ist die Gesellschaft zu großem Dank verpflichtet. 

 

Nach den Planungen und unter Bauleitung von Sportwart Konrad Hofmann konnten im September 1979 mit etwa 1.800 freiwilligen Arbeitsstunden zehn vollautomatische Schießstände mit Gesellschaftsräumen ihrer Bestimmung übergeben werden.

 

Schießstand im Schmiedanwesen der Familie Ober
Festgottesdienst zu 90jährigen Bestehen der Gesellschaft, 1981

Im selben Jahr noch war die heimische Schützengesellschaft erstmals Ausrichter der Traunsteiner Stadtmeisterschaft im Schießen.

 

Mit einem Jubiläums- und Standeröffnungsschießen, an dem 550 Schützen teilnahmen, begannen die Feiern zum 90jährigen Bestehen der Gesellschaft. 

 

Deren Höhepunkt war das Gründungsfest mit der Weihe der ersten Vereinsfahne. Unter der Schirmherrschaft von Stadtrat Franz Ober zogen 40 Schützenvereine im feierlichen Zug durch den Ort, darunter auch die befreundete niederrheinische Gilde „Schmalbroich“.

Hans Buckreus und Albert Rosenegger nahmen die Sportplakette des Bundespräsidenten entgegen.

1985 richtete Haslach zum ersten Mal ein Gauschießen aus. Dazu wurde in der Schulturnhalle ein zusätzlicher Schießstand errichtet. 782 Schützen folgten der Einladung.

 

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum l00jährigen Bestehen richtete die SG „Edelweiß“ ein Jubiläums- und Gauschießen aus, bei dem sich 740 Schützen beteiligten. Ebenso wurde in diesem Jahr der Gauschützenball ausgerichtet. 

 

30 Vereine mit 300 Festzugteilnehmern feierten im Juni 1991 den Eintritt der Haslacher Schützengesellschaft in das 2. Jahrhundert ihres Bestehens.

 

Ein Jahr später wurde die Gesellschaft für hervorragende Nachwuchsarbeit von Kultusminister Hans Zehetmaier mit der Sportplakette des Bundespräsidenten ausgezeichnet.

 

Ab dem Jahr 1993 begannen erste Planungen für ein neues Schützenheim im Zuge eines Neubaus des Feuerwehrhauses. Schon sehr bald war man sich darüber einig, dass neben den Luftgewehrständen auch ein 50 m KK-Stand entstehen sollte.

 

Bei den Neuwahlen 1996 übergab Albert Rosenegger nach 2l jähriger Amtszeit das Schützenmeisteramt seinem Nachfolger Thomas Grella.

Der neue 1. Schützenmeister konkretisierte gemeinsam mit dem 2. Schützenmeister Hans Buckreus und dem Planer Konrad Hofmann das erste vereinseigene Heim der Haslacher „Edelweißschützen“.

 

 

neubau


Bei einer Gesamtbausumme von rund 880.000 Mark haben die Haslacher Schützen auf 625 Quadratmetern bei 1.800 Kubikmeter umbautem Raum – wieder unter Planung und Bauleitung von Konrad Hofmann - insgesamt drei Schießräume, ein geräumiges Stüberl, sowie diverse Arbeits- und Auswertungsräume geschaffen.

Neubau

Herzstück des neuen Heims sind die drei Schießräume, wobei der Kleinkaliberstand (sh. Bild) sicherlich auch für viele auswärtige Schützen interessant sein dürfte. An den fünf Ständen kann die Schießentfernung jeweils auf 50 m, 25 m, 15 m und l0 m eingestellt werden.


Daneben gibt es zwei Räume mit sechs bzw. fünf Luftgewehrständen, so dass die Haslacher Schützen insgesamt über 16 Stände verfügen - ausreichend für alle in der Region gebräuchlichen Schießveranstaltungen.

 

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Mitglieder der SG Edelweiß Haslach während der Bauzeit von April bis November 1998 ungefähr 7.000 freiwillige Arbeitsstunden aufbrachten, um den Bau und die Finanzierung zu bewältigen. 

 

Unterstützung erfuhr der Verein auch von öffentlichen Institutionen wie der Stadt Traunstein, die sich mit einem Zuschuss von 117.000 Mark beteiligte. Die Regierung von Oberbayern steuerte 223.000 Mark bei, und vom Landkreis Traunstein kamen 15.000 Mark. Die Eigenleistungen bezifferte Thomas Grella am Ende mit rund 300.000 Mark.

ehrenmitglied
ehrenmitglied

Sicher außergewöhnlich ist der Umstand, dass der Verein innerhalb von gut 20 Jahren sein zweites Vereinsheim beziehen und finanzieren konnte. 

 

Der wirtschaftliche Grundstock dafür wurde durch die weitsichtige Vereinsführung von Albert Rosenegger und dem privaten Engagement von Helga und Franz Ober geschaffen. Bestimmt einmalig ist aber, dass Konrad Hofmann - der auch 12 Jahre als Sport- und Jugendwart tätig war - für zwei Schützenheime die Planung und Bauleitung übernehmen durfte.

 

In Anerkennung Ihrer Verdienste für die SG „Edelweiß“ wurden Albert Rosenegger, Helga Ober, Franz Ober und Konrad Hofmann am 05.06.1999 im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten des neuen Vereinsheimes zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Thomas Grella gratuliert Hans Buckreus zu dessen 30 jährigem Jubiläum als 2. Schützenmeister, 2007

Mit einem Standeröffnungs- und Gauschießen im Jahr 2000 wurde die Anlage den Schützenvereinen des Schützengaues Traunstein präsentiert. Für die Schirmherrschaft konnte der damalige Vorsitzende der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Alois Glück, gewonnen werden. Es beteiligten sich 643 Schützinnen und Schützen. Im Jahr 2000 wurde auch der Gauschützenball ausgerichtet.

 

Nach 12 Jahren Amtszeit übergab Thomas Grella am 14.02.2008 die Vereinsführung in die bewährten Hände von Hans Buckreus. Dieser konnte zu diesem Zeitpunkt bereits auf Erfahrungen aus 31 Jahren Tätigkeit als 2. Schützenmeister zurückgreifen.

 

Zum 10jährigen Jubiläum im neuen Schützenheim ernannte 1. Schützenmeister Hans Buckreus im Jahr 2009 Albert Rosenegger zum Ehrenschützenmeister der SG „Edelweiß“ Haslach.

Ernennung von Albert Rosenegger zum Ehrenschützenmeister

Seit 13.02.2014 wird die Gesellschaft von Michael Schuhbeck geführt. Als erste Amtshandlung ernannte er seinen Vorgänger Hans Buckreus nach insgesamt 40 Jahren Tätigkeit im Schützenmeisteramt, davon 3 Jahre als Sportwart, 31 Jahre als zweiter und sechs Jahre als erster Schützenmeister, zum Ehrenmitglied.

 

Sehr großer Beliebtheit erfreuen sich die Haslacher Dorfschießen mit einer Beteiligung von ca. 650 Schützen.
Mit 150 Mitgliedern zählt die Haslacher Schützengesellschaft zu den mitgliederstärksten Schützengesellschaften des Schützengaues Traunstein.


Sie führten die SG „ Edelweiß“ Haslach e.V.

Schießjahr1. Schützenmeister1. Vorstand*
1891-94J.M. Buckel (ab 1893 Hauser)Johann Gfaller
1894-98Karl Stallechner (ab 1897 Pertl)Albert Metzger
1898-01Lambert Weidenbeck 
1901-04Mathias Streitwieser 
1904-06Sebastian Gfaller 
1906-07Peter Stöger 
1907-09Josef EnhuberMathias Brandmaier
1909-11Josef Enhuber (ab 1910 M. Bernauer)Sebastian Gfaller
1911-13Lorenz LieglGeorg Schwaiger
1913-19Josef MaierJosef Enhuber
1919-20Josef EnhuberSebastian Gfaller
1920-21Andreas GeisreiterSebastian Gfaller
1921-22Michael BernauerSebastian Gfaller
1922-24Georg JellSebastian Gfaller
1924-25Hans Gfaller 
1925-28Michael Bernauer 
1928-39Mathias Kamminger 
   
1951-52Michael Bernauer 
1952-58Hans Gfaller 
1958-61Ludwig Steiner 
1961-62Michael Bernauer 
1962-63Hans Simper 
1963-64Josef Schwaiger 
1964-71Walter Jahn 
1971-74Willi Moser 
1974-96Albert Rosenegger 
1996-08Thomas Grella 
2008-14Johann Buckreus 
seit 2014Michael Schuhbeck 

 

*In den Jahren 1891-98 und 1907-24 gab es das Amt des 1. Vorstands. Der 1. Schützenmeister übte in diesen Jahren seine Tätigkeit als eine Art Sportwart aus. Ansonsten war der 1. Schützenmeister mit der Vereinsführung betraut.


Gründungsprotokoll

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